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Europa-Repräsentationen

Representations of Europe

Ewa Anklam

Repräsentation“ ist nicht mehr nur eine epistemologische Kategorie der Philosophie, sondern hat in den Geschichtswissenschaften ein eigenes Forschungsfeld hervorgebracht. Als „Repräsentationsgeschichte“ verbreitete sie sich in den 1980er Jahren im angloamerikanischen Raum, eng verbunden mit dem linguistic turn und diskursiven Analysen. Zu den intellektuellen Protagonisten dieses Ansatzes zählen u.a. Roland Barthes, Roger Chartier, Michel Foucault und Stephen Greenblatt.

Im Fokus der mannigfachen „Wenden“ von politikhistorischen zu kulturwissenschaftlichen Perspektiven innerhalb der Geschichtswissenschaft stehen Quellen, die nicht mehr als „Spiegel“, sondern als „Repräsentationen“ ihrer Welt verstanden werden. Mit „Repräsentationen“ meinte Roger Chartier Ansatzpunkte, über die man mittels der ihnen innewohnenden kulturellen Codierungen „in das Geflecht der menschlichen Beziehungen und Spannungen“ der jeweiligen Zeit gelangen könne. Chartiers „représentations collectives“ sollten sozusagen als Matrix für die Konstruktionsmechanismen der sozialen Welt selbst verstanden werden. Denn diese Welt existiert nicht objektiv, sie wird konstruiert von Menschen oder Gruppen mittels Klassifizierungen und Unterteilungen.

Repräsentationsgeschichte operiert relational. Sie stellt historische „Meistererzählungen“ in Frage, indem sie den interpretatorischen Wert von Quellen hinterfragt. Dadurch problematisiert sie die Differenz und die Wechselwirkung zwischen „Wirklichkeit“ und Repräsentationsobjekten. Sie ist damit auf die Wirkung in ihrer Zeit – im öffentlichen Raum – angelegt.

Mit „Europa-Repräsentationen“ werden Deutungen, Konzepte und Vorstellungen von Europa gefasst, die sich in Texten, Bildern und Karten niedergeschlagen haben. Darin sind Bilder als Genre vor allem Medienkörper, die damit in ein enges Geflecht von Kommunikation und Repräsentationen eingebunden sind. Bilder von Europa sind Visualisierungen von Handlungen, die bestimmte Erwartungen konditionieren, legitimieren und/oder erfüllen sollen. Mit Repräsentationen von Europa verbinden sich zeit- und raumgreifende Vorgänge von Verflechtungen, kurz: Verbindlichkeiten und Einflussnahmen infolge der wechselseitigen Kommunikation zwischen Personen, Gruppen, Staaten etc.

Wir arbeiten mit einem breiten Bildbegriff, der einerseits neben sinnlich wahrnehmbaren konkreten Ausgestaltungen auch sprachliche Aussagen integriert und damit zwischen Materialität und Sinn-Aussagen zu unterscheiden vermag. Dadurch kann bei Europa-Repräsentationen zwischen den „trägergebundenen Bildern“ bzw. visuellen Repräsentationen (Abbildungen, Karten) und den „narrativen Bildern“, also deskriptiven, durch Texte evozierten Repräsentationen, unterschieden werden.

Literatur
• Knoch, Habbo: Renaissance der Bildanalyse in der Neuen Kulturgeschichte, in: „Sichtbarkeit der Geschichte“: Beiträge zu einer Historiographie der Bilder, Bd. 5 (2005) (http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/index.asp?type=diskus sionen&id=393&view=pdf&pn=forum)
• Pohlig, Matthias: Texteinleitung zu Roger Chartier. Kulturgeschichte zwischen Repräsentationen und Praktiken, in: Ders.: Die unvollendete Vergangenheit. Geschichte und die Macht der Weltauslegung, Frankfurt/M. Fischer 1992, S. 7-23 (http://www.repraesentationen.de/site/lang__de/4178/Default.aspx)

(Last modified: 12 June 2009)

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